Apple Pay gewinnt immer mehr Einfluss – Europastart weiterhin ungewiss

Nutzer nehmen den Bezahldienst Apple Pay immer besser an

Neben der neuen iPhone-Generation hat Apple bei der Keynote am 09. September 2014 auch einen neuen Dienst vorgestellt: Apple Pay. Das Zahlungssystem ermöglicht die kontaktlose Zahlung mit dem iPhone 6 und dem iPhone 6 Plus. Auch die Apple Watch, die im Früher 2015 auf den Markt kommen soll, wird die Zahlung mit Apple Pay ermöglichen. Schon zum Start in den USA am 20. Oktober 2014 hat Apple zahlreiche Partner präsentiert, die das neue Zahlungssystem unterstützen. In den ersten zwei Monaten konnte Apple Pay immer mehr Einfluss gewinnen und neue Partner vorstellen.

Apple bietet ideale Voraussetzungen

Apple Pay basiert auf besonders guten Voraussetzungen, die außer Apple nur wenige Unternehmen weltweit bieten können. Der US-amerikanische Konzern besitzt einen riesigen Kundenstamm, von dem ein Großteil bereits Kreditkartendaten für die Käufe im iTunes Store hinterlegt hat. Außerdem schafft es Apple traditionell, seine Hardware und Software besonders nutzerfreundlich umzusetzen und sorgt so für niedrige Hürden bei der Bedienung. Auch bei Apple Pay hat das Unternehmen aus dem kalifornischen Cupertino besonders viel Wert auf eine möglichst einfache und unkomplizierte Lösung gesetzt und zudem Sicherheitsfeatures implementiert, die in der Branche bisher nicht zu finden waren. Um mit Apple Pay zu bezahlen, muss der Nutzer das passende Gerät lediglich kurz an das Bezahlterminal des Anbieters halten und den Kauf in Verbindung mit dem Touch ID-Sensor durch den einzigartigen Fingerabdruck legitimieren. Sicherheitsfunktionen unter der Haube sorgen dafür, dass keine Kreditkartendaten geteilt werden – weder mit Apple, noch mit dem Händler. Verliert man das iPhone oder wird bestohlen, ist dank dem Touch ID-Sensor eine unautorisierte Zahlung nahezu ausgeschlossen. Setzt man das Gerät über die iCloud und “Mein iPhone suchen” in den “Verloren”-Modus, wird Apple Pay deaktiviert und fremde Personen können endgültig nicht mehr mit dem Apple-Gerät auf Einkaufstour gehen.

Immer mehr Partner trotz schwieriger Umsetzung

Schon zum Start konnte Apple eine große Zahl verschiedener Partner vorstellen, die das neue Zahlungssystem in den USA unterstützen. Neben den eigenen Apple Stores waren darunter auch US-amerikanische Größen wie Foot Locker, Mc Donald’s, Nike, Staples, Walgreens und Whole Foods. Auch auf der Seite der Banken gibt es viele Unterstützer, so kann Apple neben den drei großen Kreditkartenunternehmen VISA, MasterCard und American Express auch die Bank of America, barclaycard, Chase und citi zu seinen Partnern zählen, mit denen die Zahlung über Apple Pay möglich ist. Im Laufe der ersten zwei Monate nach dem Start in den USA haben sich viele weitere Partner dazu entschlossen, zukünftig ebenfalls Apple Pay zu unterstützen. Das ist vor allem deshalb nicht selbstverständlich, da die Umsetzung für die Händler nicht ganz einfach ist. Damit Apple Pay als Zahlungsmethode angeboten werden kann, benötigt man im Ladengeschäft ein spezielles Terminal, das die für den Prozess verantwortliche Nahfeldfunktechnik NFC und den Dienste Apple Pay generell unterstützt. Ohne ein solches Terminal, das für den Händler natürlich Investitionskosten mit sich bringt, ist eine Zahlung über den neuen Apple Dienst nicht möglich. Einfacher haben es da die Unternehmen, die Apple Pay in ihren Apps für Onlinezahlungen anbieten. Dazu gehören mit airbnb, Groupon, Eventbrite und Uber ebenfalls bekannte Namen, die auf eine von Apple zur Verfügung gestellte Schnittstelle innerhalb ihrer Apps zurückgreifen können, um Apple Pay als Zahlungsmittel anzubieten.
Als Bremse für die Verbreitung von Apple Pay ist weiterhin die geringe Verbreitung auf Seiten der Hardware zu sehen. Lediglich das neue iPhone 6 und das iPhone 6 Plus verfügen über den NFC-Chip, mit dem die Apple Pay-Zahlung im Ladengeschäft möglich ist. Mit der Apple Watch kommt im Frühjahr 2015 ein weiteres Gerät dazu. Ältere iPhone-Modelle, die immer noch bei vielen Menschen in der Hosentasche zu finden sind, bieten nicht die nötigen Voraussetzungen für Apple Pay. Umso überraschender ist die Tatsache, dass das neue Zahlungsystem von Apple im November, nur wenige Wochen nach dem Start, bereits für ein Prozent aller mobilen Zahlungen in den USA verantwortlich war. Viele der Nutzer setzen Apple Pay laut Analysten mittlerweile sogar mehrfach pro Woche ein, um damit zu bezahlen.

Europastart weiterhin ungewiss

Trotz des Erfolgs in den USA, ist es weiterhin nicht klar, ob und wann Apple Pay auch in Europa startet. Bei der Vorstellung im September 2014 betonte Apple, dass es durchaus geplant sei, das System auch in anderen Ländern einzuführen. Aktuell sucht Apple nach passendem Personal für den Standort London, ein Hinweis, dass das US-amerikanische Unternehmen weiterhin plant, Apple Pay auch in Europa zu starten. Vor allem in Deutschland dürfte Apple Pay aber anfangs auf wenig Gegenliebe stoßen, denn hierzulande ist noch immer das Bargeld das mit Abstand beliebteste Zahlungsmittel. Rund 80% aller Zahlungen werden nach wie vor mit Scheinen und Münzen getätigt. Statt der Kreditkarte, einer der Grundpfeiler von Apple Pay, setzen die Deutschen beim bargeldlosen Zahlen vor allem auf die ec-Karte. Kontaktlose Zahlungsmethoden, darunter in die Geldkarte integrierte Girogo-System, spielen in Deutschland derzeit praktisch keine Rolle. Ob Apple Pay mit seiner bequemen Nutzung und den überzeugenden Sicherheitsfunktionen in Deutschland für eine Änderung des Zahlungsverhaltens sorgen kann, bleibt offen. Auch eine neue geplante EU-Regulierung könnte zum Problem für Apple Pay werden. Zukünftig will die EU die Kreditkartengebühren innerhalb der Europäischen Union auf maximal 0,3% des Kaufpreises beschränken. In den USA verlangt Apple aktuell 0,15% Gebühren von den Partnerbanken, da ist es kaum vorstellbar, dass die Banken in Europa sich darauf einlassen, die Hälfte der Erlöse an Apple abzutreten.